Konversion in Bamberg - Zu den Planungen auf der MUNA

Konzept der Schutzgemeinschaft zum denkmalgerechten Umgang mit der MUNA

Stellungnahme der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e.V. zur Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplanes, sowie des Bebauungsplanes Nr. 429 „Gewerbepark Geisfelder Straße“

Unser MUNA-Konzept als PDF-Download
MUNA Stellungnahme 20160131.pdf
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Gerne nehmen wir zu der geplanten Maßnahme Stellung.

 

Wie in der Begründung zum Konzept vom 15.12.2015 unter Punkt 10.2 (Seite 44f) richtig festgestellt wird, handelt es sich bei den überplanten Bereichen um, Zitat: „Flächen mit historischer, insbesondere militärhistorischer Bedeutung, deren Geschichte bis in das Jahr 1917 zurückreicht (Erschließung des Geländes und Errichtung einer Munitionsanstalt sowie Bau des Schießplatzes mit vier Bahnen).“


Angesichts dieser offenbar unstrittigen Tatsache wundern wir uns, dass kein ernsthafter Versuch unternommen wird, die denkmalpflegerischen mit den unbestritten wichtigen wirtschaftlichen Interessen abzustimmen. Tatsächlich spielt in der bisherigen Planung die geschichtliche Bedeutung nicht nur eine „nachrangige Rolle“, wie in der Begründung erwähnt, sondern ihr wird überhaupt keine Rolle eingeräumt. Dies ist weder angemessen noch notwendig, weil es ohne Mehraufwand gute Möglichkeiten gibt beide Belange in Einklang zu bringen. Einen entsprechenden Alternativvorschlag möchten wir hiermit unterbreiten und in den Diskussionsprozess einfließen lassen.

Zur historischen und denkmalpflegerischen Bedeutung

Die „Munitionsanstalt“ entstand noch zu Königlich Bayerischer Zeit in der Spätphase des Ersten Weltkriegs. Der Kern der damals errichteten Anlagen (Schießstand,
Fertigungshallen, Munitionslager) ist noch immer nahezu komplett vorhanden, zudem in einem bemerkenswert ursprünglichen Zustand. Dieser Glücksfall ist dem Umstand
geschuldet, dass diese Gebäude seitdem durchgehend in einer ähnlichen militärischen Nutzung blieben und dadurch wenige Umbauten erfuhren.
Die Entmilitarisierung nach dem Ersten Weltkrieg ging, von der symbolischen Vernichtung einer einzelnen Halle abgesehen, ungewöhnlich spurlos an dem Gelände vorbei.
Die 1923 beginnenden Gründungsjahre der Firma von Willy Messerschmitt, stellen eine weitere bedeutende Phase dar, die bisher in der Abwägung nicht gewürdigt wurde. Die
MUNA ist damit als Zeugnis der Frühzeit des Flugzeugbaus, nicht nur für Bamberg, sondern deutschlandweit von Bedeutung. Die Wurzeln der Luftfahrttechnik im Allgemeinen
und der späteren Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) (heute Teil der Airbus Group) im Speziellen, sind in diesen Hallen zu finden.
Die folgenden Jahre der Wiederaufrüstung unter dem Nationalsozialismus bis in den Zweiten Weltkrieg sind durch die baulichen Erweiterung ebenso ablesbar, wie die anschließende Besatzung bzw. NATO-Zeit unter den Amerikanischen Streitkräften.

 

Die MUNA ist ein Zeugnis einer fast 100-jährigen durchgehenden militärischen Nutzung, wie man es in dieser Kontinuität nur noch selten findet. Ein Spiegel prägender Ereignisse des 20. Jahrhunderts, von den beiden Weltkriegen bis zum Kalten Krieg, der Phase der Entspannung und des Abzugs der U.S.-Army. Die MUNA steht damit zeithistorisch in einer Ebene mit dem Wert der Lagarde-Kaserne. Diese Bedeutung wird in den bisherigen Planungen bisher nicht einmal Ansatzweise gewürdigt.

Standortkarte MUNA 1918 (IABG, 2000) laut Bericht Amec Foster Wheeler

Konzept zur Vereinbarung von Denkmal und Gewerbepark

Wir regen angesichts dieses geschichtlichen Gewichts eine angemessene Würdigung an. Die südlich des Gewerbeareals zur Erhaltung vorgesehenen Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg genügen nicht, um diesem Zweck zu dienen, wenn gleichzeitig die ungleich bedeutenderen und aussagekräftigeren Zeugnisse aus der Gründungsphase vernichtet werden.
Glücklicherweise ist es angesichts der Kleinteiligkeit dieser Bauten gut vereinbar, einige davon in das geplante Gewerbeareal zu integrieren ohne die gewünschte wirtschaftliche Nutzung zu verhindern oder zu stören.

 

An konkreten Maßnahmen schlagen wir vor:

 

1. Anpassung der Straßenführung an die gewachsenen Strukturen
Die bisherige Planung der Verkehrsflächen sieht ein starres Raster vor, das ohne Notwendigkeit weder die Topographie noch die über einem Jahrhundert gewachsenen Strukturen aufgreift. Dabei wäre es einfach, die vorhandenen Straßen- oder Schienenwege als Grundlage für eine künftige Wegführung zu nutzen. Eine Orientierung an der vorhandenen Struktur würde
a. die historische Entwicklung ablesbar machen,
b. es erleichtern am Wegenetz stehende gewachsene Gebäude und Strukturen zu integrieren und
c. möglicherweise durch Minimierung der Erdbewegungen sowohl Bauzeit als auch Kosten sparen all dies wäre umsetzbar, ohne einer künftigen gewerbliche Nutzung mit dem damit verbundenen Verkehrsaufkommen und Flächenbedarf im Weg zu stehen.

 

2. Eintrag in die Denkmalliste
Die Eingangs erläuterte Bedeutung des Areals bedingt einen, zumindest inselartigen, Erhalt. Bestand welcher die Entwicklung der MUNA erkennbar und erlebbar werden lässt, sollte dringend für künftige Generationen bewahrt werden - als Zeugnis und Mahnmal der kriegerischen Seiten des 20. Jahrhunderts, des Pioniergeists der 1920er Jahre und der entsprechenden Auswirkungen auf die Bamberger Stadtgeschichte.
Zu diesen besonders erhaltenswerten Zeugnissen gehören insbesondere:
a. Das um 1917 entstandene Eingangs-Ensemble entlang der Geisfelder Straße einschließlich seiner Erweiterungen. Dieses kann angesichts seiner architektonischen und baulichen Qualität leicht z.B. als Wohn-, Büro- oder Betriebsräumlichkeit weitergenutzt werden.
b. Die ebenfalls in dieser Frühphase als Zündlager und Produktionsstätten entstandenen Hallen. Sie sollten wenigstens exemplarisch als Zeugnisse der ursprünglichen militärischen Erschließung des Areals und der Pionierphase des Flugzeugbaus erhalten bleiben. Angesichts ihrer offenen Bauweise können notwendige Einbauten für eine Umnutzung einfach durchgeführt werden ohne die äußerliche Struktur wesentlich umgestalten zu müssen. Beispielsweise wären Verwendungen als Kleine Outlets, Lagerräume, Garagen, Einlasspforten, Imbiss, für Kleingewerbe, öffentliche Toiletten, als Versorgungsstellen für
Telekommunikations- oder Energiebedarf naheliegend. Allesamt Nutzungen, die der Gewerbeansiedlung dienen, statt sie zu behindern (siehe auch Punkt 3 „Muna Village“).
c. Der Erhalt des im Kern ebenfalls aus den Anfangstagen stammenden Schießstands wäre zumindest wünschenswert, zumal er offenbar auch als Biotop besonders erhaltenswert erscheint. Hier wäre eine Nutzung als naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche, vielleicht sogar als Naturschutzgebiet, als Brücke für die Tier- und Pflanzenwelt zum Amselfang und Volkspark und zur Naherholung denkbar. Eine erforderliche Erschließung des Verkehrs über die Pödeldorfer Straße, wäre über die vorhandene Armeestraße problemlos möglich und müsste dieses Gebiet nicht durchschneiden.
d. Das Marterfragment des „Krätzigen Ruhsteins“ sollte an seinem ursprünglichen Standort konserviert und in eine künftige Erschließung eingebunden werden.
Um diesen gebotenen Erhalt der genannten Bestandsbauten zu vereinfachen und die Finanzierung von Sanierungen zu erleichtern, ist es ratsam die Aufnahme der entsprechenden Gebäude in die Denkmalliste anzustreben. Dass sie noch nicht erfasst wurden, dürfte vor allem der bisherigen Nutzung durch die Amerikanischen Streitkräfte geschuldet gewesen sein. Angesichts der Bedeutung des Areals für die Bamberger
Militärgeschichte wird einer Aufnahme sicher nichts im Wege stehen. Als Indiz hierfür darf beispielsweise die Eintragung des ehemaligen Kugelfangs am Nordrand des Flugplatzes Breitenau in die Denkmalliste gewertet werden (Aktennummer: D-4-61-000-1469), der zeitgleich während des Ersten Weltkriegs errichtet wurde.

 

3. „Muna Village“ - Versorgungsinsel im ehemaligen Produktionsareal
Insbesondere die Gebäudegruppe der ehemaligen Produktionsstätten bietet sich aufgrund ihrer Bedeutung und Lage zur Umnutzung für Gastronomie, Erholungszwecke, Ladenflächen, kleine Outlets oder Kleingewerbe an. Dazwischen gibt es genügend Flächen für Erweiterungen, Freischankflächen und Parkplätze. Die künftigen Beschäftigten des neues Gewerbegebietes, wie auch des bestehenden an der Gutenbergstraße, könnten sich
an dieser zentralen Stelle versorgen. Wer arbeitet, will sich in den Pausen oder nach Feierabend auch erholen, essen oder einkaufen.

„Muna Village“ - Ausschnitt der ehemaligen Produktionshallen. Mögliches künftiges Herz des Gewerbeparks. (Bild: Bingmaps)

Unternehmen siedeln sich ohne Zweifel lieber in einem Gebiet mit Charakter an, das für ihre Mitarbeiter ein hohes Maß an Lebensqualität bietet, als in einer ges(ch)ichtslosen Fläche.
Somit wären zwei wesentliche Faktoren gleichermaßen gewährleistet: Erhalt des Kerngebietes der MUNA und attraktiver Nutzen für die Zukunft.

 

Eine Skizze zu unserer vorgeschlagenen Alternativplanung haben wir diesem Schreiben zur Veranschaulichung beigefügt. Wir sehen darin einen Ausgleich zwischen den Interessen - erhalten möglichst viel der denkmalwerten Substanz und berücksichtigen Interessen des Naturschutzes, ohne das Projekt des Gewerbeparks zu beeinträchtigen. Sowohl die Zufahrtswege, als auch die Flächen bleiben entsprechend der ursprünglichen Planung unverändert funktionsfähig, flexibel und weiträumig. Die Attraktivität wird sogar erhöht.

 

Wir bitten diese Vorschläge in die politische Diskussion einzubringen und in der künftigen Planung zu berücksichtigen.
Andernfalls ginge ein Stück Bamberger Militärgeschichte ohne Not für immer verloren.

Arena 4

Leider konnte aus zeitlichen Gründen niemand aus unserer Vorstandsschaft an der Konversionveranstaltung vergangene Woche teilnehmen.

Wir verweisen daher auf den Artikel ind der webZ, mit Dank an Dieter Weinsheimer.

WebZ

100 Mio. Euro vom Bund für Konversionsflächen - insgesamt, nicht nur für die Stadt Bamberg!

Stadtrat Peter Gack erklärt in einer Nachricht auf unserer Facebook-Seite, warum die Meldung über die 100 Mio. Euro nicht zu einer Schlagzeile geführt hat:

[..] Die 100 Mio. sind der gesamte zur Verfügung stehende Rahmen und gilt für alle Konversionsstandorte, auch für die, aus denen die Bundeswehr abzieht, bzw. abgezogen ist.“

Besten Dank für die Klarstellung, auch an Ulrike Propach!

Da die Stadt dennoch Geld zur Verfügung gestellt bekommt, wenn auch nur einen Bruchteil des Gesamtvolumens, hier weiterhin der Artikel auf dem Fränkischen Tag vom 28.11.2013:

 

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn erklärt in einer Pressemitteilung, dass im Koalitionsvertrag ein Haushaltsvermerk aufgenommen wurde, der Folgendes beinhaltet:

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) gibt Grundstücke der Konversionsflächen verbilligt an die Stadt Bamberg ab, zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Das Gesamtvolumen ist auf 100 Millionen Euro beziffert.

Veranstaltungsreihe Konversion in Bamberg

Quelle: Bing-Maps

Was geschieht mit dem Kasernengelände nach dem Abzug der U.S.-Army Ende 2014? Erhalt? Abriss? Umbau?

Wie haben andere frühere Standorte diese Aufgabe gemeistert?

Welche Chancen ergeben sich? Welche Hürden werden zu bewältigen sein?



Spannende Fragen, die Bamberg in den kommenden Monaten und Jahren bewegen werden.

 

Gemeinsam mit dem Architektur-Treff Bamberg und dem Kunstverein veranstalten wir von Februar bis Juli 2013 fünf Vorträge und eine abschließende Podiumsdiskussion zu diesem prägenden Thema.

 

Fazit:

Es gab viele wichtige Anregungen von auswärts, die den Bamberger Verantwortlichen sicher dienlich sein werden bei den zu bewältigen, großen Aufgaben. Wir danken unseren Mitveranstaltern für ihr Engagement. Es wird sicher nicht unsere letzte Veranstaltung zu diesem spannenden Themenkomplex bleiben.

 

Konversion_Flyer.pdf
PDF-Dokument [208.2 KB]
Artikel im Fränkischen Tag 22.02.2013
2013-02-22 Konversion Veranstaltungsreih[...]
PDF-Dokument [915.3 KB]
Artikel im Fränkischen Tag 05.03.2013
2013-03-05 Konversion Fürth.pdf
PDF-Dokument [3.6 MB]
Artikel im Fränkischen Tag 25.03.2013
2013-03-25 Konversion Ostfildern.pdf
PDF-Dokument [5.3 MB]
Artikel im Fränkischen Tag 24.06.2013
2013-06-24 Konversion Würzburg Ausschnit[...]
PDF-Dokument [452.3 KB]
Artikel im Fränkischen Tag 15.07.2013
2013-07-15 Konversation über Konversion.[...]
PDF-Dokument [195.3 KB]

Lesen Sie dazu auch:

 

Freie Web-Zet:

Artikel vom 11. Juli 2013

 

Bamberger Online-Zeitung:

Artikel vom 31.05.2013

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